Ausstellung mit Carlos Silva im Dynamo Zürich am 23.-25. August 2018.

Download Text und Werkliste (deutsch) / Download Text and Object List (German)

IN THE ARTIST’S WORDS – Background

Die Schweiz kehrt aus den Sommerferien zurück und die Familienalben und Instagram Accounts füllen sich mit Bildern aus Ibiza, Marokko oder Phuket. Gleichzeitig veranstalten Carlos Silva und MAPA die Ausstellung Estación de verano, eine Station des Sommers, die die Universalität des Sommers versinnbildlicht. Als Einführung zur Show erzählt uns Silva von seinen verschiedenen Werkserien, die zu sehen sind, und wie diese mit seinem Leben und seinem künstlerischen Schaffen in Valparaiso zusammenhängen.

Über die grundsätzliche Idee, die Ausstellung als zeitliche sowohl als räumliche Station des Sommers zu konzipieren, sagt Silva: In Chile “erleben wir gerade einen sehr harten Winter, aber der Sommer ist omnipräsent. Ich lebe in einer Küstenstadt, und die Idee der Ausstellung ist es nachzuzeichnen, wie wir das ganze Jahr die Bilder und Objekte des Sommers konsumieren.

Wenn man sich die tausende Postkarten, Werbeschilder und Strandtücher ansieht, wird schnell klar, dass das Bild des Sommers äusserst homogen ist, die Motive genauen  Standards entsprechen und auf maximale Wiedererkennbarkeit ausgelegt sind. Sie werden zu Allgemeingut und damit zum Allgemeinwissen über Geographie und fremde Kulturen. Jedoch, merkt Silva an: “Sehr wenige dieser Bilder sind einheimisch, d.h., Bilder, die wir selbst gemacht haben.

Das ist genau das Paradox der “Bilderflut”, welche wir in allen Medien erleben. Professionelle Stockphotos bebildern jeden Aspekt des kommerziellen und privaten Lebens, und lehren uns darüber hinaus, wie wir die Welt sehen und im Umkehrschluss, wie wir die Welt selbst abbilden. Silva beschreibt seine Videoserie Temporada Baja deshalb so: “Es geht um die übertriebene, karikaturhafte Angewohnheit von Touristen, alles und jeden im Urlaub fotografisch festzuhalten, ohne sich der Absurdität dieses Verhaltens bewusst zu sein. Ich wiederum finde es grossartig, das festzuhalten.” Interessant ist, dass diese Videos, wie der Name sagt, in der Nebensaison aufgenommen wurden, und somit eine weitere Station im Sommerzyklus darstellen.

Neben der fast schon soziologischen Herangehensweise an das Konzept vom Sommer nähert sich Silva auch über ästhetische Punkte an das Thema, zum Beispiel in seiner Serie Piscinas. “Der Swimming Pool ist eine Ausrede, um einfach zu fotografieren, um sich den Farben und Formen zuzuwenden, und mit den ganz simplen Dingen zu spielen und ihrer intensiven, farbigen Oberfläche.” Diese Stillleben, wie sie Silva einordnet, sind Abstraktionen aus dem sonst komplexen Netz stilistischer Anspielungen und Vorbildern des sommerlichen Bilderguts. Damit gibt er unserer Perspektive mehr Abstand und vor allem einen Fokus inmitten des touristischen Trubels.

Silva’s Videos funktionieren ganz ähnlich, indem sie die Aufmerksamkeit gezielt auf bestimmte und doch ephemere Momente richten. Gleichzeitig sind die Videos weniger strikt in ihrem formalen Aufbau und ebenso vielseitig in ihren Themen: “Es gibt nicht viele Verbindungen zwischen den Videos, es sind pure Fragmente, autonome Bilder, viel zu kurz… sie können keine Relation zueinander herstellen, ausser dass sie Überreste von Geschichten sind, die zu anderen Filmen, zu anderen Bildern gehören.

Eine andere, noch technischere Abstraktion ist Silva’s Serie bereits vorhandenen Materials, den Renders. In vielerlei Hinsicht sind die Computerbilder die Blaupause der sommerlichen Infrastruktur und die auf den Punkt gebrachte Verbildlichung unserer (potentiellen) Erfahrung. “Die Renders sind Anzeigenbilder für Architektur der neoliberalsten und auf den grössten Konsum ausgerichteten Ordnung. Es ist eine virtuelle Architektur gespickt mit fotografischen Fetzen aus der Realität, die eine absurde, idealisierte Fiktion erschafft mit jungen, hübschen Menschen an idyllischen Orten. Diese Bilder bieten nichts Neues, grenzen an Kitsch, basieren auf den Spielregeln des Konsums und versuchen, unsere materiellen Wünsche hervorzurufen und zu erfüllen. Sie faszinieren mich mit ihrem Pop, Kitsch, und Banalität, aber auch wegen des hohen Grades an technischer Finesse. Sie sind halb poetisch, kontemplativ, mit diesen Menschen die zum Horizont blicken wie in einem Gemälde von Hopper.

Der entfernte Standpunkt, die engen Rahmen, und die inhärente Ruhe in Silva’s Bildern sind charakteristisch für seine Arbeit allgemein. Seine Kunstwerke sind inspiriert von einem genauen Hinschauen auf seine unmittelbare Umgebung und die menschlichen Spuren darin. “Es geht um alltägliche Situationen, in denen aber fast unscheinbar etwas passiert, etwas bricht, fällt, oder endet. Sie sind nicht spektakulär… aber es gibt immer einen Riss im Normalen, was der Punkt in einem Bild ist, welcher uns in unserem Dasein bestätigt und uns unsere Identität vor Augen führt. Ein Punkt, der mich immens interessiert.” Und egal, welchen Klischees diese Bilder folgen mögen, “sie sind Bilder unseres Lebens, unserer Geschichte, und das gibt ihnen ihren Wert und ihre Würde.”

 

Die ganze Einführung als Video sehen Sie unten. Für Untertitel in anderen Sprachen, aktivieren Sie die Untertitel auf dem Symbol unten rechts, gehen Sie auf die Einstellung daneben, klicken Sie nochmals auf die Untertitel, und wählen Sie “automatisch übersetzen” und dann die gewünschte Sprache.

Switzerland is returning from their summer vacation, and family albums and Instagram accounts are filled with pictures from Ibiza, Morocco, or Phuket. Meanwhile at Dynamo, Carlos Silva and MAPA are installing Estación de verano, a summer station epitomizing the universalism of summer. As an introduction to the show, Silva tells us about his different work series on view in Zurich, and how they relate to his life and artistic practice in his hometown Valparaiso.

On his initial motivation to set up an exhibition that works both as a temporal as much as spatial entity of summer, Silva says: In Chile, “we’ve been experiencing a very cold winter, but summer is always present. I live at the coast, and the idea of the show has been to trace the ways in which we use the objects and images of summer year-round.

Looking at the thousands of postcards, advertisements, and even beach towel designs, it quickly becomes clear that the image of summer is a homogeneous one, and motifs are repeated in a standardized and ostentatiously recognizable manner. They have become common goods, part of general educational in geography and foreign cultures. However, Silva points out: “Very few of these images are vernacular photographs, photos that we took ourselves.”

This is also the paradox behind the “flood of images” we are experiencing in all media. Professional stock photos illustrate every aspect of commercial and private life, teaching us the ways in which we see the world and in which we in turn take pictures. Hence Silva describes his video work Temporada Baja thus: “It is a take on the burlesque touristic habit to document over and over our holidays, without realizing the absurdity of this activity, and I love to document this in turn.” Interestingly, Silva recorded these videos, as their title says, during low season, and therefore present another period in the summer cycle.

Besides the almost sociological approach to our concept of summer, Silva also takes recourse to aesthetics in his series Piscinas. “The swimming pool has been an excuse to take photographs, to work on the colors, shapes, and play with everyday objects and their intensely chromatic surfaces.” These still lives, as Silva categorizes them, are abstractions of the otherwise complex web of stylistic references of summer imagery, detaching our viewpoint and giving us a focus amid the touristic hustle and bustle.

Silva’s videos work in a similar way, delineating their emphasis on specific, yet fleeting moments. At the same time, they are less rigid in their formal setup, and equally fluid in their content: “There a not many connections between the videos, they are pure fragments, autonomous images, too short… they cannot achieve a link between each other, other than being remainders of narratives that belong to other movies, other images.

Another, much more technical abstraction is his appropriated series Renders. In many ways, the computer images are the blueprint to the infrastructure of summer and the purest visualization of our (potential) experience. “The render images are commercial advertisements of architectonic spaces of the most neoliberal and consumerist order. It is a virtual architecture populated with photographic snippets of reality, creating absurd, idealized fictions with young, beautiful people in idyllic places. Yet they do not offer anything new, bordering on kitch, working with the codes of consumption trying to nourish and satisfy our material desires. These images fascinate me with their pop, kitsch, and banality, but also high level of technical skill. They are semi-poetic, contemplative, with people looking at the horizon, almost like a painting by Hopper.”

The distant perspective, the narrow frames, and the inherent tranquility of Silva’s moving and still images are characteristic for his work in general. His artworks are inspired by a close look at his immediate surroundings and the human traces of their environment. In sum, “it’s about everyday situations, but where something is subtly happening, breaking, falling, or coming to an end. They are not spectacular … but there is always a fissure of the normal, which is an aspect of the image which reasserts ourselves and connects us with our own identity, a factor which utterly interests me.” And whatever clichés these images might follow, “they images of our life, our history, and this gives them their value and dignity.

 

Listen to the full introduction below. For subtitles in other languages, click on the subtitle button on the lower right, then click on the settings button next to it, then click “translate automatically”, then choose your language.